Ruhrgebietsdialekt | Geschichte und how-to-speak

Der Dialekt des Ruhrgebiets hat eine lange Geschichte. Die soll hier mal „kurz“ erläutert werden. Man kann natürlich auch einige Passagen überspringen 😉

 

Ruhrgebietsdeutsch vor den Zuwanderungen

In den Jahren 1870/71 bestand das Rurhgebiet zum großen Teil aus vielen ländlichen Gemeinden, in welchen Plattdeutsch gesprochen wurde. Die beiden Dialekte die vorherrschten, waren im Osten des Ruhrgebiets das Westniederdeutsche und im Westen das Niederfränkische.
Der niederdeutsche Dialekt lässt sich wie so viele Dialekte in weitere Mundarten unterteilen. Zum einen das Ostwestfälische, das Münsterländische, das Westmünsterländische und das Südwestfälische (Fekeler-Lepszy 1983, 45).
Der Westniederdeutsch und niederfränkische Dialekt gingen über die Jahre allerdings etwas verloren.

Die Sprachforscher zeichneten nur die Dialekte der älteren Menschen auf. Denn diese würden sich erwiesenermaßen als Letztes von ihrer angestammten Mundart trennen.
Das kann ich nur bestätigen, denn meine Omma mütterlicherseits hat Meidericher Platt bis zu ihrem Tod durchgezogen. Wunderbar.
Aus diesem Grund kann man leider heute keine Veränderung in der Dialektforschung des Ruhrgebiets verzeichnen.
Da die Jugendsprache nicht herangezogen wurde, konnten kein weiterer Fortschritt verzeichnet werden.
So lässt sich heute kein Rückschluss auf den genauen Zeitpunkt des Aussterbens der Mundarten ziehen.

Die erste Zuwanderungsphase bis 1870/71

In den Jahren bis 1870/71 konnte das Ruhrgebiet einen großen Aufschwung der Ruhrindustrie im Kohleabbau und im Hüttenwesen verzeichnen.
Die hohe Nachfrage und der Fortschritt der Technik erlaubte bald mehr Arbeitsplätze in den Zechen und Hochöfen zu schaffen.
Dieser Aufschwung erreichte eine Größenordnung, die nicht mehr von den ‚Einheimischen‘ geleistet werden konnte. So wurden auswärtige Arbeitskräfte gesucht.
Die Zuwanderer die daraufhin mit ihren Familien ins Ruhrgebiet zogen, kamen aus dem Münsterland, Sauerland und Siegerland, dem übrigen Rheinland und der Eifel.
Einige wenige Zuwanderer kamen aus den Niederlanden und Italien.
Da die Zuwandererzahl nicht allzu hoch war, zogen die Einwanderer in die bestehenden Dorfgemeinschaften ein und haben sich notgedrungen dort sprachlich integrieren.
Da ihre Zahl sehr gering und die einheimischen Dialekte sehr stark ausgeprägt waren, hatten die ‚auswärtigen‘ Dialekte keinen Einfluss auf die vorhandenen Dialektedes Ruhrgebiets (Fekeler-Lepszy 1983, 50).

Durch die nun immer weiter steigende Anzahl der Berbauarbeiter erhielt ein Teil der Bergmannssprache Einzug in den Dialekt des Ruhrgebiets. So gab es einige Wörter und Floskeln die nun in den Alltagssprachgebrauch einflossen. Diese Assimilation hat so gut geklappt, dass diese Flsokeln bis heute noch vorhanden sind.
Bergbauarbeiter sagten damals zum Beispiel, wenn sie zur Arbeit gingen, sie gehen auf Schicht (Sprick 2003, 94).
Diese Floskel blieb bis heute im Ruhrgebietsdeutschen enthalten. Auch die Floskel Dann ist aber Hängen im Schacht wird heute noch angewendet. Die Bedeutung: irgendetwas wird nicht weiter gemacht oder beendet.

So erhielt die Eigenschaften eines „Kumpeldeutschen“ den Einzug in die Häuser der Menschen im Ruhrgebiet.
Denn die Mentalität, welche die Arbeiter in den Zechen und den Hütten an den Tag legten, ging auch in den Dialekt ein:

kurz aber präzise und trotzdem verständlich.

Grob und gerade heraus, dabei aber ehrlich und ohne Beschönigung und somit oft überdeutlich.

 

Die zweite Zuwanderungsphase bis 1954

Seit 1880 kamen die Einwanderer in Massen aus West- und Ostpreußen, aus Masuren, Posen Schlesien und aus Polen ins Ruhrgebiet (Fekeler-Lepszy 1983, 11).
Die große Zeit der Industrialisierung erforderte, dass immer mehr Menschen in Zechen arbeiteten. So kamen bis zum 1. Weltkrieg bis zu 250 000 Polen ins Ruhrgebiet.
Für diese vielen Zuwanderer bauten die Betriebe Werkswohnungen in eigenen Siedlungen. Dies hatte zur Konsequenz, dass die Zuwanderer nur bedingt während der Arbeit Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung hatten.
Da die Wohnungen von den Verwaltungen der Betriebe vergeben wurden, blieben die einzelnen Landsleute unter sich und waren auch in ihrem Privatleben zunächst voneinander getrennt.

Ganze Ortsteile wurden nur mit Werkswohnungen gebaut. So bestand nun auch keine Notwendigkeit mehr, die eigene Sprache zu ändern und eine neue Sprache zu lernen.
Integration entstand lediglich durch den gemeinsamen Schulunterricht und die gemeinsame Freizeit, die die Kinder miteinander verbrachten.
Die jungen im Ruhrgebiet geborenen Menschen waren schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr in der Lage das ursprüngliche Plattdeutsch zu sprechen. Dadurch bestand die Gefahr, dass der heimatliche Dialekt untergeht.
Die hohe Zahl der Einwanderer tat ihr übriges dazu.
Es scheint, als hätte man gegen diese Entwicklung gearbeitet, indem man die Dialekte und Sprachen miteinander mischte. Worte wie Maloche (von jiddisch „meloche“ = Arbeit) und Mottek (von polnisch „mlot“ = Hammer/Werkzeug) (Sprick 2003, 73) sind in den nun entstehenden Ruhrgebietsdialekt eingeflossen.
Er entwickelte sich in den Jahren von 1880 bis 1920 zu dem Dialekt, wie er auch heute noch in der Region gesprochen wird.

Gegen Ende der zwanziger Jahre war der Dialekt des Ruhrgebiets weitestgehend ausgebildet. Zumindest im Wesentlichen was Inhalte wie Satzbau und Lautung anging.
Während des 2. Weltkrieges stand das Ruhrgebiet im Zentrum des Besusses durch Fliegerbomben. Viele Menschen und gerade Alte starben. Und somit starb auch leider ein sehr großes Stück des Dialekte.
Doch Sprache wäre ja langweilig, wenn sie sich nicht weiterentwickeln würde.

Sprachwandel von 1954 bis heute

Zu Ende des 2. Weltkrieges und zum Aufbau des zerstörten Landes gab es eine weitere, kleinere Zuwanderungswelle. Da die Deutschen im Osten vertrieben wurden, kamen im Besonderen viele Schlesier ins Ruhrgebiet. Sie hatten die Hoffnung dort Arbeit in der Ruhrindustrie zu bekommen.
Diese Zuwanderer hatten aber nur wenig Einfluss auf den Ruhrgebietsdialekt.
Ein einziges „schlesisches Merkmal“ ist erhalten geblieben: von nun an wurden häufige, kurze Worte, die nach dem Verb stehen, direkt an das Verb gehangen.
So spricht man ‚Sag doch‘ als Sachoch und ‚Mach doch‘ als Machoch.
Allerdings hat dies keinen starken Einfluss auf den gesamten Dialekt genommen und wird heute nur noch von der älteren Generation genutzt. Hier verweise ich gerne auf mein Omma vätterlicherseits 😉
Natürlich kamen nicht nur Schlesier. Sondern es kamen auch Menschen aus Ländern Südeuropas, Italien, Spanien, Griechenland, dem damaligen Jugoslawien und der Türkei.
Da unter den Einwanderen ein sehr großer Anteil aus der Türkei kam, bildeten sich durch die Werkswohnung erneut eigene Stadtteile. Auch zu dieser Zeit war einen Integration aus bekannten Gründen schwierig. Man eignete sich nur die notwendigsten Kenntnisse der deutschen Sprache an. Der Dialekt wurde fast gar nicht übernommen.

Später ist mit der ersten und zweiten in Deutschland geborenen Generation der türkischen Zuwanderer ein arabischen Aspekt in die gesamte deutsche Sprache der Jugend eingezogen.
Heute spricht ein nicht zu unterschätzender Teil der Jugend ‚Türkdeutsch‚. Dabei ist es egal, ob man türkischer Abstammung ist oder nicht.
Türkdeutsch ist in der heutigen Jugendsprache des Ruhrgebiets weit verbreitet (Fekeler-Lepszy 1983, 58).
Eine Sprache und ebenso ein Dialekt entwickeln sich immer weiter, da sie vom mündlichen Gebrauch lebt. Jedoch konnte man an dem Ruhrgebietsdialekts auch Ende des 20. Jahrhunderts noch eine unglaublich große Ähnlichkeiten zum Ursprung des Dialekts erkennen. So blieben zum Beispiel besonders viele Floskeln erhalten.

Floskeln und Kumpel Anton

Auch heute sagt man noch, dass etwas verschütt gegangen ist (Ü: es ist etwas unabsichtlich verloren gegangen)
In den 1980ern druckte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung etwas Revolutionäres ab.
Sie veröffentlichte ein Glossar in dem ‚Kumpel Anton‚ immer von sich reden machte. Eine fiktive Person, die im Ruhrgebiet lebte, dort zur Arbeit ging und seine Freizeit in Vereinen, beim Sport und in der Kneipe verbrachte.
Das Besondere des Glossars mit Kumpel Anton war, dass er der bislang erste im Ruhrgebietsdialekt verschriftlichte Artikel war.
Vorher gab es weder Literatur noch eine Zeitung, die den Dialekt so wiedergab.
Kumpel Anton hatte großen Erfolg, wurde gern gelesen und hat den Dialekt auf jeden Fall wieder ein wenig hochleben lassen. Später wurde er leider wieder eingestellt.

Man kann behaupten, dass Kumpel Anton den Anstoß gegeben hat, dass der im Ruhrgebiet gesprochene Dialekt auch zu einem schriftlichen Dialekt wurde. Denn seit den 1980ern gibt es die ersten Bücher über und in Ruhrgebietsdialekt. Mittlerweile ist selbst ein Wörterbuch und ein Asterix-Comic erschienen. Man begann also nach dem Krieg um den Dialekt zu kämpfen, damit er nicht unterginge.

Natürlich wird in den Schulen im Ruhrgebiet heute Hochdeutsch gesprochen. Nichtsdestotrotz wird in den Familien und gerade bei den Großeltern heute noch häufig im breitesten Ruhrgebietsdialekt gesprochen.

Wie funktioniert der Dialekt

 

Auffällig ist, dass häufig Wörter gebildet werden, die der Wohlgeformtheit zugute kommen. Denn so kann der Dialekt schneller und gut verständlich gesprochen werden. Trotzdem soll er bequem und leicht zu sprechen sein.
Im Ruhrgebiet ging man dazu über, das am Wortende stehende [t] oder [d] zu verschlucken:
Jetzt red ma nich so’n Blech (Übersetzung: Jetzt rede mal nicht so einen Unsinn)
oder
Jux und Dollerei (Übersetzung: Übermut) (Fellsches 2008, 67).

Steht am Wortende ein [g], so wird es wie ein [ch] gesprochen. So wird ein ‚Sag mal‘ zu Sach ma. In einigen Fällen fällt das Wortende auch einfach weg und Wörter werden zusammengezogen:
Samma (Übersetzung: Sag mal) (Sprick 2003, 92).

Aufgrund der schnelleren und einfacheren Aussprache spricht man ein [r] im Wort als [a] oder es verschwindet vollständig. So nachzuvollziehen in Fleischwuast (Ü: Fleischwurst) und Saach (Ü: Sarg) (Sprick 2003, 151).

Im Ruhrgebietsdialekt gibt es das Phänomen, dass Verb und nachstehende Worte zu einem Wort zusammengefasst werden. Sie bilden sich zum Beispiel die Worte
isset (Ü: ist es), krisse (kriegst Du), meinze (meinst Du), könnset (können sie es) und kannichet (kann ich es) (Sprick 2003, 155).

Die Zuwanderer bildeten die deutsche Sprache analog zu ihren heimatlichen Dialekten und Sprachen. Dadurch begann man Reflexivpronomen häufiger zu gebrauchen. Und bestimmte Artikel wurde zum Teil einfach ausgelassen.
Als Beispiel hierfür stehen die heute noch sehr bekannten Sätze:

Liegt sich dat faule Luder doch schon wieder auf Sofa (Ü: Legt sich das faule Mädchen doch schon wieder auf das Sofa) (Fekler-Lepszy 1983, 54)
und
Mach ma Licht an (Ü: Mach mal bitte das Licht an).

Die Nutzung von Präpositionen, Artikeln und Bindewörtern bekam um 1900 eine ganz eigene Gestalt.
„Bestimmte und unbestimmte Artikel (der, die, das, dem, den, ein, einen usw.) werden grundsätzlich an vorausgehende Verhältniswörter (Präpositionen) und Bindewörter (Konjunktionen)
angehängt, und zwar in möglichst verknappter Gestalt“ (Birkenhauer 2003, 154).

So wird aus der Präposition ‚an‘ und dem Artikel ‚den‘ das Wort anne, wie zum Beispiel in anne Füße (Sprick 2003, 154). Ebenso gibt es zum Beispiel inne Bude (in der), umme Ecke (um die), übere Brücke (über die)
und vonne Socken (von den).
Der Artikel ‚das‘ und das Interrogativpronomen ‚was‘ wurden dann bald das Merkmal des Ruhrgebietsdialekts. Denn im Ruhrgebiet wird der Artikel ‚das‘ als dat und das Interrogativpronomen als wat gesprochen. Und obwohl auch andere Regionen Deutschlands heute das dat und wat nutzen, wird es immer noch dem Ruhrgebiet als Ursprungsregion zugesprieben.

Wenn Sprecher des Dialektes, früher wie heute, ein Wort in den Plural setzen möchte, könnte es zu Komplikationen kommen. Denn wenn der Plural ebenso wie der Singular gebildet wird oder das Wort schon im Plural vorhanden ist, hängt der Ruhrgebietler ein [s] hinten an. Gerne wird diese Möglichkeit auch genutzt, wenn der Sprecher nicht weiß wie der Plural heißt…
Aus ‚Kinder‘ wird die Kinders (Sprick 2003, 157), aus ‚Türen‘ wird Türens (Sprick 2003, 157) und aus ‚Blag‘ (Ü: freches Kind) macht man Blagens (Sprick 2003, 157).

So wenig wie die Ruhrgebietler wissen, wie mancher Plural gebildet wird, so wenig wissen sie, wie und wann man die Personalpronomina ‚mir‘ und wann man „mich“ benutzt.
So wurde und wird es immer ein bisschen wahllos durcheinander gewürfelt. Und da man im Ruhrgebiet um dieses Problem weiß, gibt es den schönen Spruch:

Mir und mich verwechsl ich nicht, das kommt bei mich nicht vor.
Hast Du nich ’nen Strick bei dich, mein Hund der will nicht mit mit mich, der licht bei dich vors Tor.

Auch mit dem Ausdruck der Richtung hat der Ruhrgebietsdialekt so seine Probleme. Die Richtung wird nicht mit ‚zu‘ gebildet, sondern mit ’nach‘ oder ‚bei‘.
Hömma, ich fahr ma kurz nach Aldi und komma bei de Omma bei sind zwei Sätze die im Ruhrgebiet durchaus  häufig zu hören sind.

Et is am plästern – un dat Kint is noch draußen am laufen (Ü: Es regnet – und das Kind ist noch draußen) ist ein sehr schöner Satz um zu verdeutlichen, dass der Dialekt eine richtige ‚Verlaufsform‘ der Tätigkeitswörter hat.
„Das Wörtchen „am“ vor einem Tätigkeitswort in ungebeugter Form drückt (so eindeutig wie die englische ‚ing‘-Form) aus, daß die betreffende Handlung andauert, andauern soll oder angedauert hat.“ (Birkenhauer 2003, 159).
Diese Form kennt das Hochdeutsche gar nicht, es gibt sie  lediglich im Ruhrgebietsdialekt.

Als Letzte wäre noch die ‚Vergleichsform‘ des Ruhrgebietsdialekts aufzuführen.
In jener Region wird in Vergleichen das Wort wie genutzt oder aber die beiden Wörter als wie in Verbindung miteinander.
Nie wird hingegen das Wörtchen als für einen Vergleich herangezogen. Birkenhauer (2003, 159) findet dafür zwei wunderbare Beispiele:
so isset bessa wie wenne dat nich machs (Ü: So ist es besser, wenn Du das nicht machst)

und

unsa Haus is größa als wie dat woße wohns (Ü: Unser Haus ist größer als das Haus wo Du wohnst).

Zusammenfassung

Der Grundstein zum heutigen Ruhrgebietsdialekt wurde schon um die Jahre 1870/71 gelegt und hat sich über 140 Jahre durch verschiedene Zuwanderungen von Menschen aus den verschiedensten Teilen Europas weiterentwickelt.
In diesen Jahren flossen

  • die Bergmannssprache
  • der niederdeutsche Dialekte,
  • der niederfränkische Dialekt,
  • verschiedenste Dialekte aus Hessen,
  • dem Sauer- und Siegerland,
  • dem Münsterland,
  • dem übrigen Rheinland,
  • der Eifel,
  • den Niederlanden,
  • Italien,
  • aus West- und Ostpreußen,
  • Masuren,
  • Posen,
  • Schlesien
  • Polen,
  • Spanien,
  • Griechenland,
  • dem ehemaligen Jugoslawien und
  • der Türkei

in den Ruhrgebietsdialekt ein.

Das nenn ich mal Multikulti!

Im Endeffekt kann man sich heute darüber streiten, ob der Dialekt ein ‚Mischmasch‘ aus allen Einflüssen ist. Denn es spielt natürliche immer noch eine Rolle, welche emotionalen Bezug man zum Ruhrgebiet im Allgemeinen hat.

Das Ruhrgebiet und der damit verbunden Dialekt stand schon immer für das arbeitende Volk, das zwar grob und direkt, aber trotzdem herzlich und brüderschaftlich miteinander umging.

Und so wird es auch heute noch gesehen. Obwohl es schon seit dem 2. Weltkrieg nicht nur noch aus Industrie besteht.
Es gab eine Zeit in der man sich dafür schämte, wenn man an der Sprache erkannte, dass man aus dem Ruhrgebiet stammt. Denn eben jener Dialekt stand für das arbeitende Volk, die Malocher.
Und das zuzugeben war schwer.
Doch in den letzten Jahren beginnen die Ruhrgebietler endlich wieder zu ihrem Dialekt zu stehen.

Dazu beigetragen hat wohl zum großen Anteil Kumpel Anton, den wohl jeder gern mal kennen gelernt hätte und ebenso sämtliche Kabarettisten, Schauspieler und Musiker.
Denn wer erkennt nicht bei Ralf Richter, Diether Krebs, Atze Schröder, Frank Goosen, Hennes Bender oder Torsten Sträter woher sie kommen.
Über 20 Jahren stand das Frauenduo Missfits in der Kabarett-Szene für das personifizierte Ruhrgebiet und dessen eigentümlichen Dialekt.
Nicht zu vergessen sei hier Herbert Grönemeyer, der zum einen seine Heimatstadt Bochum und dann in breitestem Ruhrgebietsdialekt seine „Currywurst“ besungen hat.
Und obwohl es in gewöhnungsbedürftiger Dialekt ist, der schwer zu erlernen aber leicht zu verstehen ist:

Die Sprache ist Wahrzeichen der Region geworden, wie es nur selten in Deutschland der Fall ist.

Tschökes.

 

 

 

Literaturverzeichnis:

Birkenhauer, Klaus. Ruhrgebiets-Deutsch in 30 Regeln. In: Sprick, Claus. HÖMMA. Sprache im Ruhrgebiets. Straelen 2003. 147-160.

Fekeler-Lepszy, Elisabeth. Gesprochene Sprache im Ruhrgebiet. Gelsenkirchen 1983.

Fellsches, Josef. Duisburger Wortschätzchen. Leck 2008.

Sprick, Claus. HÖMMA. Sprache im Ruhrgebiet. Straelen 2003.

Trudgill, Peter. Sociolinguistics. An Introduction to language and society. London 2000.

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