Tausche Kreuzfahrtschiff gegen Binnenschiffe

Lange lange habe ich nichts von mir hören lassen (mein letzter Beitrag ist von Juni). Dementsprechend wurde ich mehrfach in den letzten Monaten gefragt, warum das so ist. Nun, es gibt einen guten Grund: ich habe Kiel verlassen und hatte ziemlich viel zu bedenken, vorzubereiten, umzusetzen und einzupacken. 

14 Jahre gehen nicht spurlos an einem vorbei

Ich kam 2006 fürs Studium an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ursprünglich war der Plan nach 3-4 Jahren wieder zurück ins Rheinland zu gehen.

(Anmerkung der Redaktion: Hat nicht geklappt… 🤷🏻‍♀️ )

Ich bin also in Kiel kleben geblieben. Erst wollte ich den Studienort nicht wechseln, weil ich die Fakultäten cool fand und dann war ich mit den Freundschaften so in Kiel verwurzelt, dass ich einen Standortwechsel nicht in Betracht gezogen habe. 
Und so habe ich nach dem Studium noch ein paar Jahre am Meer gelebt, obwohl der ursprüngliche Plan ja ein ganz anderer war. 

Und dann kam eines Tages ein Anruf. Und der hat mein Leben grundlegend auf den Kopf gestellt. Zwei Anrufe und ein Bewerbungsgespräch später stand es fest: ich gehe zurück in meine alte Heimat Duisburg, genauer gesagt nach Duisburg Meiderich.

Ich habe viel hin und her überlegt. Auch auf Fragen, warum man das schöne Schleswig-Holstein verlässt und in den Pott zieht, konnte ich bisher nicht vernünftig antworten. Also natürlich hat das Ruhrgebiet viele Vorteile im Gegensatz zum „Landleben“ in Kiel  😀
Ich war aber mittlerweile so in Kiel gefestigt, dass ich mein Leben dort sehr geliebt und genossen habe. Es ist mir beileibe nicht leicht gefallen Kiel zu verlassen. 

Eine Liebeserklärung an mein Kiel

Kiel liegt am Meer, was damals der Grund war dorthin zu gehen. Ich wollte irgendwo studieren, wo man segeln kann. Und Wuppertal hatte da jetzt nicht ganz so viel zu bieten 😁 In Kiel wohnt man da, wo andere Urlaub machen. 
Und obwohl Kiel als Landeshauptstadt relativ klein ist, verkörpert es durch das große Kulturangebot auch die große weite Welt. Immerhin war auch Anne Lister bei einer ihrer Reisen in Kiel.

Kieler Woche – muss ich das wirklich erläutern? 😆 Diese 10 Tage sind ein Highlight, dass jeder mal miterlebt haben sollte. Ob man das jetzt mag oder nicht sei mal dahingestellt, aber es ist ein Highlight. Alleine die Tatsache, dass man sich 10 Tage durch den Internationalen Markt futtern kann. Hier kann man jeden Tag eine traditionelle Speise aus einem anderen Land probieren. Mhhhh…. 

  • Windjammerparade
  • Aufstellung zur Windjammerparade. Jeder Punkt ist ein Schiff.
  • Windjammerparade am Kieler Leuchtturm in Friedrichsort
  • anker

Und dann wären da noch die Menschen. Ich kann bestätigen, dass die Norddeutschen etwas reservierter sind. Und ich hatte als gebürtige Rheinländerin in den ersten Jahren echt so meine Schwierigkeiten damit klar zu kommen. Man eckt so manches Mal an 😉 

Wenn die Sprotten aber erstmal mit einem warm werden, dann wird es kuschlig. Ich habe in 14 Jahren so viele Menschen getroffen, die mein Leben bereichert haben und es immer noch bereichern. Ich habe so viele Freundschaften und Bekanntschaften geschlossen, die so wichtig für mich waren und es auch noch sind, dass diese Menschen immer ein Teil meines Lebens bleiben werden. Egal ob man den einen oder anderen Mal aus den Augen verliert. Mein Leben wurde durch so viele liebe, nette, charmante und wundervoll Menschen bereichert, dass ich lange davon zehren kann.

Natürlich ist es, wie es immer im Leben ist, mal kommt jemand dazu und mal verliert sich ein Kontakt. Aber auch wenn man sich mal aus den Augen verliert, die gemeinsamen Erlebnisse und Momente, die man teilt, werden mir immer bleiben. Jeder Mensch hinterlässt kleine Fußspuren in meinem Herzen.

Niemals geht man so ganz 

Erst in den Wochen kurz vor meinem Umzug wurde mir so richtig wirklich und wahrhaftig klar, was ich da zurücklasse. Ich lasse mein ganzes Leben hinter mir. Abgesehen von meiner Familie in Duisburg, fand bis zum August 2020 mein Leben in Kiel statt. Ich habe im Sommer 2020 viel gegrillt und gepicknickt – natürlich Corona konform -, war mit den mir liebgewonnen Menschen spazieren, essen, Fahrradfahren und habe viel gelacht und Spaß gehabt. 

Aber ich musste mich neben meinen Freunden auch von meinen herzallerliebsten Kollegen von MEGA Bike verabschieden. Auch das ist mir so schwergefallen, wie nur selten etwas im Leben. 

Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte, alle waren in den 14 Jahren meine Kieler Ersatzfamilie geworden. Ich scheue mich nicht zu sagen, dass auch viele Tränen geflossen sind. 

Im September begann also ein neues Leben in meiner alten Heimat. 

Warum bin ich zurück nach Duisburg gekommen? Aus zwei Gründen: der Anruf im Frühjahr rief mich zurück in meine alte Kirchengemeinde, in der ich groß geworden bin. Zurück in die Kinder- und Jugendarbeit. Zurück in den Schoß von Mutter Kirche. 

Und zurück zu meiner Familie. Nach fast 4 Monaten in Duisburg kann ich sagen, ich genieße es wieder in der Nähe meiner Familie zu sein. Natürlich haben meine Eltern wie Großeltern sich ein Loch in den Bauch gefreut, dass ich wieder zurückkam. 

2020 – turbulent, aufregend und mit großen Veränderungen im Gepäck

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich heute in Duisburg wohnen würde und in einer schicke Altbau Wohnung lebe, den hätte ich wahrscheinlich gepflegt für verrückt erklärt.
Ich habe wieder alte Freunde um mich (Corona bedingt erst einmal auf Abstand), einen Job, den ich liebe, neue Menschen kennengelernt, wundervolle Kollegen und ein tolles Umfeld in Kirchengemeinde. 

So langsam kann ich sagen, lebe ich mich wieder ein. Lebe mich ein in den Großstadtdschungel, das rheinländische Gemüt und die offene, etwas schroffe Art der Ruhrgebietler. Ich lebe mich ein in das anhaltende Geräusch von mindestens einer Autobahn. Denn egal wo man in Meiderich ist, man hört immer eine Autobahn im Hintergrund 🙂. 

Und ich lebe mich langsam wieder in das Prinzip „Arbeiten in der Kirchengemeinde“ ein. 
Und wenn jetzt morgen mein Bett endlich von XXXL Lutz geliefert wird, dann ist sogar nach 4 Monaten mein Mobiliar komplett… 💪🏻 

Das Jahr 2020 werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Ich glaube, 2020 werden alle Menschen, die es erlebt haben, nicht vergessen – Corona lässt grüßen. 

Aber für mich steht 2020 auch für einen traurigen Abschied und einen direkt darauffolgenden  Neuanfang. 

Von mir aus, kann das Jahr 2020 dann jetzt aber auch abdanken. Es reicht an Turbolenzen. Warten wir gespannt auf 2021…

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.