Ein Blick, ein Lächeln | Die Magie des Augenblicks

Ich habe ja vor kurzem erst von den kurzen Momenten des Glücks geschrieben. Gestern war so ein Moment. Ganz banal, schnell vorbei aber trotzdem ein Moment der mich glücklich gemacht hat. Ich war gestern Abend mit Freunden in der Innenstadt zum Essen verabredet. Weil es draußen so kalt war, bin ich schon mal in das Restaurant gegangen und habe mich an unseren Tisch gesetzt. Während ich wartete habe ich die Menschen draußen auf der Straße beobachtet. So wie man das halt früher gemacht hat, bevor man immer auf sein Handy geglotzt hat.
Und während meinen etwas verträumter Blick einfach über die Straße ging, lief direkt vor dem Fenster ein Mann vorbei. Ich sah ihm in die Augen und erkannte ihn ziemlich direkt: Es war mein ehemaliger Hausarzt. Er musste vor ein paar Jahren seine Praxis kurzerhand aufgeben, weil er selbst erkrankt war. Woran und wie schwer weiß ich nicht. Wir sahen uns kurz an und er lächelte mich auf seine herzerwärmende Art an wie er das früher immer schon getan hat. Wir nickten uns beide kurz zu und dann war der Moment auch schon vorbei.

Dieser Moment hat mich unglaublich fasziniert. Diese kurze Geste und dieser kurze Moment. Aber warum? Er war doch „einfach nur“ mein Hausarzt. Ich war in den Jahren die ich in Kiel wohne gar nicht besonders häufig bei ihm. Aber wenn ich denn mal da war, hatten wir immer schon einen guten Draht zueinander. Und in der Sprechstunde hatten wir häufig sehr lustige und interessante Themen. Er war immer ein sehr sympathischer Mensch.

Aus diesem Grund war ich auch sehr traurig, dass ich ihn von heute auf morgen durch einen „neuen“ Arzt ersetzen musste. Ich habe mich immer gefragt, warum er seine Praxis aufgegeben hat und ganz besonders, wie es ihm geht.

Und hier liegt wahrscheinlich auch die Antwort über die Faszination und die Freude meinerseits an dem Widersehen von gestern. Er war im Endeffekt ja eine Vertrauensperson und dann von heute auf morgen nicht da. Klar, mit einer Begründung die jeder verstehen kann, aber für mich war es damals irgendwie eine unglückliche Situation. Zumal ich ihn in den Jahren danach auch nie wieder gesehen habe. Umso mehr habe ich mich gestern gefreut ihn einfach unverhofft und auch nur für einen kurzen Moment zu sehen.

Warum mich gerade dieser kurze Moment faszinierte und glücklich gemacht hat: ich habe ihn seit langer Zeit mal wieder gesehen und er hat mich nicht nur wiedererkannt sondern auch gegrüßt. Und das obwohl ich nur eine Patientin war, die relativ selten in seiner Sprechstunde saß. Wie viel so eine kleine Geste doch ausmachen! Er war ein wirklich guter Arzt und ein netter Mensch. Ich vermisse ihn irgendwie. ​

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