Monticello – Die Wohnhäuser der Sklaven

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten schon einige Kapitel meiner Bachelorarbeit veröffentlicht. Die vorangegangenen Themen:

In diesem Artikel sollen nun die Wohnhäuser der Sklaven Thomas Jeffersons untersucht werden. Dies ist nunmehr sehr archäologisch und geht voll ins Detail. Ich habe für jeden Nichtarchäologen Verständnis, der nicht so weit gehen möchte und sich das alles reinzieht 😉 Für alle die noch weiter Recherchieren möchten gebe ich folgenden Hinweis. In den USA müssen Grabungsergebnisse veröffentlicht werden. Und von vielen archäolgischen Ausgrabungen zum Thema Sklaverei ist auf der Seite der Digital Archaeological Archive of Comparative Slavery eine große Sammlung von Grabungsergebnissen zusammengefasst. Von dort stammen auch meine Erkenntnisse. Sonst wäre es wohl auch schwerlich gewesen an Grabungsunterlagen zu kommen 🙂
Alle Abbildungen stammen ebenso von der Website des DAACS.

Wohnhäuser der Sklaven

Den archäologischen Ausgrabungen und den historischen Belegen zur Folge, standen im Jahr 1796 fünf Blockhäuser entlang der Mulberry Row. Diese Häuser wurden hauptsächlich von dem Personal bewohnt, das im Haus der Jeffersons tätig war. Dies waren die Männer und Frauen, welche die Hausreinigung, die Wäsche, das Kochen, das Nähen und die Kinderbetreuung zur Aufgabe hatten (HEATH 1999, 202). In den Jahren 1925 und 1934 wurden über den von Jefferson errichteten Gebäuden ein moderner Parkplatz gepflastert. Im Frühjahr 1983 begannen Archäologen damit, diese Pflasterung wieder zu entfernen. Sowohl die Pflasterung als auch die spätere Entfernung 1983 verursachten zahlreiche Schäden am archäologischen Material.
Wie die Ausgrabungen aus diesem Jahr zeigten, standen entlang der Mulberry Row drei Blockhäuser direkt nebeneinander, die als Quartiere für Sklaven genutzt wurden. Diese waren die Gebäude r, s und t, welche alle in ähnlicher Struktur aufgebaut waren. Sie standen am östlichen Ende der Mulberry Row. Die Blockhäuser hatten eine Größe von 12×14 Fuß, besaßen nur einen Raum, waren auf dem Boden mit Terracotta ausgelegt und beinhalteten einen Holzkamin und gemauerte Keller (HEATH 1999, 202). Innerhalb der flach gemauerten Keller aus Holz, Stein und Backstein bewahrten die Bewohner des Hauses Lebensmittel und ihren persönlichen Besitz auf.
Hinter den Gebäuden verlief ein Zaun, der Obstgarten und den Bereich der Mulberry Row abgrenzte. Dieser wurde im Jahr 1809 gebaut. Im Gegensatz zu den Wohnhäusern der freien Arbeiterfamilien hatten die Sklavenfamilien keine Privatsphäre und keinen Komfort innerhalb der Häuser. Während die Häuser der Sklaven durch ihre Größe und Beschaffenheit sehr zum gemeinschaftlichen Leben zwangen, waren die freien Arbeiter in ihren Wohnhäusern streng unterteilt. (HEATH 1999, 209).

Gebäude r

Das Blockhaus hatte 1558 m² Wohnfläche und wurde bei einer Testgrabung 1982 entdeckt. Direkt anschließend 1982 und 1983 wurde das Gebäude durch die Archäologen William Kelso und Douglas Sanford in 8×8 Fuß Quadrate eingeteilt und freigelegt. Nach den Baggerarbeiten, die die oberste Schicht des Parkplatzes entfernt hatte, wurde von Hand weitergearbeitet. Durch den Parkplatzbau sind an Gebäude r, Fundament, Fußboden und mögliche Gruben im Boden komplett zerstört worden. Durch die schlechte Erhaltung wurde zur Rekonstruktion die Literatur Jeffersons genutzt. Dieser beschrieb das Gebäude als 12×14 Fuß großes und aus irdenen Boden und Flechtwerk ausgelegt und einem Schornstein an der Ostseite des Hauses. Bei den Ausgrabungen fand man vier Pfostenlöcher, welche mit Backstein gefüllt waren. Diese stammten aus der Ära nach Jefferson, als Monticello der Levy Familie gehörte.
Zwei weitere Pfeiler schnitten das Gebäude s. Da der angrenzende Zaun zum Obstgarten, welcher 1809 gezogen wurde, parallel zum Gebäude verlief, ist es wahrscheinlich, dass das Gebäude bis zu diesem Zeitpunkt bestanden hat. Innerhalb des Schnitts von Gebäude r fanden die Archäologen 2267 Artefakte (DAACS/BUILDING R, 02.07.2013).

Gebäude s

Das Gebäude s wurde zusammen mit Gebäude r im Jahr 1983 von William Kelso und Douglas Sanford ausgegraben. Das 1240 m² große Haus ist mit seinen 12×14 Fuß das am besten erhaltene Wohnhaus der drei Gebäude r, s und t. Der Parkplatzbau hatte das Gebäude zwar beschädigt, allerdings nicht in dem Ausmaß wie die anderen Gebäude. So blieb die südliche Struktur komplett erhalten, während der nördliche Teil der Bodenfläche beim Bau des Parkplatzes zerstört wurde.
Ausgegraben wurde in einem System von 10×10 Fuß Quadraten, die 2×2 bis 2×10 Fuß Stege dazwischen stehen ließen. Insgesamt blieb Steinfundament, Steinkamin, Lehmboden und eine Untergrundgrube, die von Bäumen gesäumt war, erhalten. In der Grube wurden metallische Gegenstände in situ gefunden und geborgen . Zwei kleine Pfostenlöcher und verstreute Steine in dem Gebiet wiesen auf den externen Schornstein hin, der etwa 6,6×2,6 Fuß groß war.
Kelso kommt nach Schriftquellen und der zeitlichen Bestimmung der archäologischen Funde zu dem Schluss, dass das Gebäude 1792 bis 1793 gebaut und bis zum Tode Jeffersons genutzt wurde. Die 6010 gefundenen Artefakte, die alle laut Korrespondenzanalyse mit einem Terminus post quem aus dem Jahr 1840 datieren, bestätigen diese Annahme (DAACS/BUILDING S, 03.07.2013).

Gebäude t

Das dritte Gebäude der Sklavenwohnhäuser wurde von Kelso und Sanford in den Jahren 1984/85 im System 8×8 Fuß Quadrate mit 2×2 Fuß bis 2×10 Fuß Stegen welche dazwischen lagen, ausgegraben. Das Gebäude t hat einen Raum der Größe 12×14 Fuß. Dieses Gebäude hatte sehr wahrscheinlich zwei Phasen. Die eine war die des Gebäudes t, die Phase davor wird in den Aufzeichnungen Jeffersons als Negro Quarter bezeichnet. Da dieses Gebäude schon 1770 in den Aufzeichnungen Jeffersons auftauchte, ist es das älteste der Sklavenwohnhäuser, das bestanden hat. Innerhalb des Negro Quarters fanden die Archäologen flache, teilweise abgestufte Vertiefungen, welche Fragmente von Keramik von 1770-1790 enthielten. Ebenso fanden sie Holz, Asche, Holzkohle und Backstein. Zahlreiche Klumpen von gebranntem Ton und Fragmenten von verbranntem Holz weisen darauf hin, dass das Haus durch ein Feuer zerstört wurde.
Nach diesem Feuer entstand Gebäude t. Die Bauarbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts zerstörten sowohl das Fundament als auch die Wohnfläche und den Kamin des Gebäudes vollständig. Erhalten blieb der untere Teil einer Grube , sowie vier Pfostenlöcher, die dem Gartenzaun zugehörig waren. 55 Scherben der insgesamt 3195 gefundenen Artefakte befanden sich in drei verschiedenen Gruben (F01, F02, F03), obwohl die meisten Scherben zu einem Gefäß gehörten. Es ist eine späte Keramik aus amerikanischem Steingut die per Korrespondenzanalyse auf einen Terminus post quem von 1880 datiert werden konnte. Dies deutete auch auf die späte Nutzung des Gebäudes hin (DAACS/BUILDING T, 02.07.2013).

Gebäude o

Das vierte Wohnhaus steht dem Herrenhaus räumlich am nächsten und wurde in den Jahrzehnten zwischen 1770 und 1800 als Quartier genutzt. Das Gebäude o wurde im Jahr 1979 bei einer Testgrabung entdeckt und in einer Grabungskampagne innerhalb der nächsten drei Jahre unter der Leitung von Kelso aufgearbeitet. Die gesamte Grabungsfläche erstreckte sich auf 24×58 Fuß und wurde in einem Raster von 10×10 Fuß Quadraten erschlossen. Die neuzeitliche Straße und der Parkplatz aus dem 20. Jahrhundert schneiden den gesamten nördlichen Rand der Grabungsfläche. Eine weitere große Störung war ein großer Baum, dessen große Wurzeln sich weit erstreckten und vieles der Struktur zerstört haben.
Lediglich das nordwestliche Fundament wurde nicht zerstört. Innerhalb des Hauses befand sich eine gemauerte Grube, in welcher ein vollständiges Keramikgefäß gefunden wurde. Dieser und weitere Keramikfunde, welche ca. auf das Jahr 1810 datiert wurde, lassen Interpretationen zu, dass in diesem Wohnhaus Sklaven lebten, die einen höheren Lebensstandard hatten, als die anderen Versklavten auf Monticello. Insgesamt wurden in Gebäude o 6129 Artefakte sichergestellt (DAACS/BUILDING O, 05.07.2013).

MRS 2

Die Mulberry Row Struktur 2 (MRS 2) wurde von William Kelso bei Ausgrabungen zu Gebäude o entdeckt und in den Jahren 1979, 1980 und 1982 ausgegraben. Ein 6×6 Fuß großer Kellerraum, sowie mehrere Pfostenlöcher und die Überreste der modernen Treppe, welche hinunter in den Garten führte und einige Gräben wurden freigelegt. Dies lässt den Schluss zu, dass es sich bei MRS 2 um ein weiteres Wohnhaus handeln könnte. Insgesamt wurden 2754 Artefakte gefunden. Die Keramikanalysen zeigten, dass das Haus in den 1780er Jahren genutzt wurde. Jedoch war MRS 2 in den Unterlagen, die Jefferson 1796 für die Versicherung einreichte, nicht vorhanden. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass dieses Haus 1796 schon nicht mehr existierte (DAACS/BUILDING MRS 2, 18.07.2013).

MRS 4

Das Gebäude MRS 4 wurde auf den Grundmauern des Gebäudes m errichtet. Nach dem wahrscheinlichen Abriss der Räucherei (Gebäude m) um das Jahr 1809, wurde ein weiteres Wohnhaus für Sklaven gebaut. Hier fand William Kelso in den Jahren 1979-1981 einen Boden aus Klinkerpflaster (F39), der auf den Außenmauern des Gebäudes m auflag. Innerhalb des Gebäudes waren viele Backsteine vorhanden, welche wahrscheinlich einen Kamin darstellten (DAACS/BUILDING M Smoke House/Diary & MRS 4, 18.07.2013).

Elizabeth Hemings Site

Ein weiteres Quartier, in dem eine versklavte Familie wohnte, ist die Elizabeth Hemings Site. Das Haus stand südlich des Hanges vom Berg auf Monticello, 350 Fuß südlich der Mulberry Row und 30 Fuß südlich des dritten roundabouts. Während der langen Korrespondenz zwischen Thomas Jefferson und Timothy Pickering (WILLS 2003) erläuterte Jefferson, dass in diesem Haus die Familie um Elizabeth (Betty) Hemings lebte, welche im Jahr 1775 mit ihren zehn Kindern von Jefferson gekauft wurde und seitdem auf dem Anwesen lebte. Sie bewohnten das Haus nach Jeffersons Aussage von 1795 bis Elizabeths Tod im Jahr 1807. Sie und ihre Kinder waren meist die persönlichen Bediensteten Jeffersons. Die Tätigkeit als Dienstmädchen, Butler, Koch und Schreiner zählte zu ihren Aufgaben. Insgesamt waren die Hemings über 51 Jahre bei den Jeffersons als Handwerker tätig.
Die archäologischen Überreste des Hauses waren schwer zu deuten, denn innerhalb des Gebäudes war nach dessen Nutzung ein großer Tulpenbaum gewachsen, dessen Wurzeln weit und groß herauswuchsen. Untersucht wurde der Befund von William Boyer (1981), Susan Kern (1995) und Fraser Neiman (1996).
Die Hausüberreste bestanden aus zerstreuten Ziegeln und Steinen (Hausmauern) sowie aus Holz und Lehm (Schornstein / Kamin). Innerhalb des Hauses befanden sich keine Gruben oder Kellerausbauten, wie bei den übrigen Quartieren (z.B. s, t). Im Umkreis von 100-300 Fuß fanden die Archäologen insgesamt 500 Artefakte welche verstreut waren. Eine große Steinansammlung befand sich 40 Fuß südwestlich vom Gebäude.
Die Analyse der 29 gefundenen Gefäße datieren etwa in das Jahr 1790. Eine Bennington/Rockingham Scherbe datiert in das Jahr 1830. Die übrigen Artefakte hingegen wurden zu 90% in die Jahre um 1775 datiert. Insgesamt wurden 743 Artefakte bei den drei Grabungen gefunden (DAACS/BUILDING ELISABETH HEMINGS SITE, 17.07.2013).

Site 7 (Haus 5) und Site 8 (Haus 1-4)

Site 7

Weitere Quartiere für Sklaven, welche nicht auf der Mulberry Row gelegen waren, liegen im Osten Monticellos beim Rivanna Fluss. Diese Häuser waren Unterkunft für die Sklaven, die auf den Plantagen des Anwesens arbeiteten. Genutzt wurden sie ca. um die Jahre 1770 bis 1800. Während die Häuser auf Site 8 als reine Quartiere für Sklaven dienten (DAACS/SITE 8, 20.07.2013), wurde das Haus auf Site 7 in den Jahren von 1770 bis 1780 von Sklaven und danach bis 1805 von einem Aufseher bewohnt. Schriftliche Dokumente sind nur von Site 7 bekannt, da es Aufzeichnungen des Aufsehers gab, die das Haus und seine Lage beschrieben, welche auf Site 7 zutreffen würden.
Site 7 wurde im Jahr 1997 während systematischen Testgrabungen von 40 Fuß Feldern, identifiziert und bis ins Jahr 1999 und später in den Jahren 2004 und 2006 untersucht. Da seit dem Jahr 1800 das Gebiet, auf dem sich das Haus befand, bepflanzt und später gepflügt wurde, lässt die Zerstreuung der Ziegel und Steine keine eindeutige Hausstruktur zu. Durch eine höhere Artefaktdichte kann der Standort an der Straße jedoch eingegrenzt werden. Durch die hochwertige Qualität der Artefakte, z.B. der Fund einer Münze, belegt es die These, dass das Haus auch durch einen Aufseher bewohnt wurde (DAACS/SITE 7, 20.07.2013).

Site 8

Die vier Häuser auf Site 8 wurden bei Testpit-Untersuchungen in den Jahren 2001 (Haus 1), 2005 (Haus 2, 3) und 2006 (Haus 4) entdeckt und ausgegraben. Die Häuser konnten nur durch die vorhandenen Gruben oder Keller identifiziert werden. In Haus 1 fanden die Archäologen insgesamt 3 Gruben, welche einer Pollenanalyse und mehreren archäobotanischen Analysen unterzogen wurden. Dabei wurde festgestellt, dass die Gruben zwischen 1775 und 1780 für die Lagerung von Obst, Gemüse, Kräutern, Weizen und Gräsern genutzt wurden. Der Keller des Hauses 2 war mit Ziegeln und Pflastersteinen ausgekleidet. Es befanden sich Artefakte, darunter Werkzeug, Keramik- und Glasgefäße in großen Mengen in diesem Keller.
Die Grube des Hauses 3 war mit nur wenigen Artefakten gefüllt. Es befanden sich allerdings mehrere verkohlte Bretter und Planken auf dem Boden der Grube.
Von Haus 4 ist bislang erst ein kleiner Teil der Grube ausgegraben worden. Diese Grube schneidet allerdings zwei weitere Gruben. Sowohl die Form als auch die Gesamtgröße sind bisher unbekannt, sollen aber in den kommenden Jahren untersucht werden. Die bislang geborgenen Artefakte, stammen alle aus der Grubenverfüllung (DAACS/SITE 8, 20.07.2013). Diese eben beschriebenen Häuser auf Site 7 und Site 8 stellen bisher die einzigen Funde von Quartieren da, die untersucht wurden, in denen Sklaven lebten, die für die Arbeit auf den Plantagen gekauft wurden. Da die Plantagen sehr groß und weitläufig waren, kann man davon ausgehen, dass es wahrscheinlich noch viel mehr Häuser, bzw. ganze Siedlungen, gegeben haben muss. Dies soll in den nächsten Jahren ein Projekt der Thomas Jefferson Foundation sein.

Soweit die Erkenntnisse zu den Wohnhäusern. Bald folgen die Wirtschaftsgebäude und ein kurzes Fazit.

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