Monticello – Das Anwesen des amerikanische Präsident Thomas Jefferson wird archäologisch erschlossen

Zimtzicke Dollernote

Der amerikanische Präsident Thomas Jefferson, welcher die Unabhängigkeitserklärung mit auf den Weg brachte, bewirtschaftete sein eigenes Anwesen durch Sklavenhaltung. Einführendes hierzu unter „Thomas Jefferson | Unabhängigkeitserklärung und Sklavenhaltung“
Ich habe das Anwesen Monticello in meiner Bachelorarbeit „Archäologischer Nachweis der Sklavenhaltung in Nordamerika im 17.-18. Jahrhundert am Beispiel des Anwesens Monticello.“ unter die Lupe genommen. Hieraus einige Auszüge zum Thema amerikanische Sklavenhaltung und Archäolgie.

Sklaverei in der Archäologie und was Archäologie heute leisten kann

In Bezug auf das Thema Sklaverei kann die Archäologie sowohl eine unterstützende als auch eine treibende Kraft darstellen. Mithilfe von Artefakten, Gebäudestrukturen und den Untersuchungen der Lebensumstände, lassen sich schriftliche Zeugnisse mitunter unterstützen aber manchmal auch korrigieren. Ebenso kann Archäologie neue Erkenntnisse liefern, wo bislang schriftliche Quellen oder Hinweise fehlen. Beispielsweise war es amerikanische Archäologen im Jahr 2006 möglich zu belegen, dass afrikanische Sklaven schon 100 Jahre nach der Entdeckung der Neuen Welt 1492 durch Christopher Columbus, dorthin verschifft wurden. Dies gelang anhand von Skelettfunden auf dem Friedhof in der Nähe von Yucatan (Mexiko). Die Zahnstellungen und die vorgenommenen Isotopenanalysen des Zahnschmelzes zeigten, dass diese Menschen in Afrika geboren wurden, jedoch in Mexiko verstarben (SPIEGEL ONLINE, gesehen 30.06.2013).

Archäologische Untersuchungen zu den Wohnhäusern der Sklaven geben Aufschluss über Details zur Größe, Dimension, dem genutzten Material und den Konstruktionsmethoden. Aus den geborgenen Artefakten lassen sich durch Nutzungsspuren Rückschlüsse auf das Leben der versklavten Menschen ziehen (SINGLETON 1995, 123f). Durch die gewonnen Erkenntnisse kann der materielle Stand ermittelt werden (HEATH 1999, 201) und deren Prozesse, welche die materielle Kultur durchleben. Plantagenarchäologie hilft bei der Erforschung von Arbeitsfeldern der Sklaven. Des Weiteren hilft sie bei der Erforschung und der schriftlichen Erfassung der verschiedenen Gruppen und deren Hierarchien auf den Feldern (HEATH 1999, 201).

Archäologische Ergebnisse, können die erhaltenen schriftlichen Quellen ergänzen und so eine Restaurierung bzw. den realistischen Wiederbau von Quartieren und Wirtschaftsgebäuden erleichtern und unterstützen. Diese sind ein wichtiges Zeugnis der amerikanischen Geschichte, die entsprechend realitätsnah vorgenommen werden sollen (KELSO 1990, 9)

Grabungskampagnen

Die gesamten Landschaften Monticellos wurden von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart (Stand 2013) archäologisch untersucht. Diese Untersuchungen unterteilen sich in zwei unterschiedliche Perioden, die ihren Schwerpunkt auf verschiedene Gebiete legen. Die erste Periode beginnt in den 1950er Jahren und endet erst in den 1990er Jahren. In diesen Jahren gab es zwei große Grabungskampagnen, zum einen im Jahr 1957, die geleitet wurde von dem Archäologen Oriel Pi-Sunyer, zum anderen die 7-jährige Kampagne von William Kelso, die sich über den Zeitraum von 1979 bis 1986 erstreckte.

Beide Kampagnen beschäftigten sich mit dem Herrenhaus Jeffersons und dessen direktem Umfeld, wobei im Besonderen der Fokus auf die Mulberry Row gelegt wurde. Die Ausgrabungen umfassten die Quartiere der Sklaven und die Wirtschaftshäuser entlang der 1000 Fuß langen Straße. Außerdem wurden drei weitere Standorte von Häusern aufgearbeitet, die außerhalb der Mulberry Row lagen. Dabei handelte es sich um das Wohnhaus auf der Stewart Watkins Site und das Wohnhaus der Familie Hemings, Betty Hemings Site. Beide Gebäude beherbergten Großfamilien, deren Mitglieder sowohl Sklaven der Mulberry Row als auch auf der Plantage waren.

Seit dem Jahr 1997 läuft die zweite Periode, in dessen Kampagnen der Schwerpunkt auf die Plantagenwirtschaft gelegt ist (DAACS/PLANTATION HOME, 13.07.2013). In dieser Kampagne wird versucht, auf den gesamten 2 000 ha Land, welches der heutigen Thomas Jefferson Foundation gehört, mit Testgruben (test-pits) einzelne weitere Gebäude, wie zum Beispiel Site 7 und Site 8, sowie Plantagen zu ergründen. Parallel zur zweiten Periode entstand im Jahr 2001 ein Projekt, das sich damit beschäftigt, die Datensätze und Artefakte der Ausgrabungen von Oriel Pi-Sunyer und William Kelso zu überarbeiten und neu zu interpretieren.

Methoden

Sowohl die Kampagnen der ersten Periode, als auch die Kampagnen der zweiten Periode begannen erst nach ausführlichen Recherchen in den Dokumenten Thomas Jeffersons. Nach Lokalisierung der Mulberry Row wurden zunächst Testgräben im Verhältnis 1×1 Fuß ausgehoben. Nachdem eine Hausstruktur entdeckt wurde, wurde im „Wheeler-Box-Verfahren“ eine große Grabung initiiert. Bei diesem Verfahren werden zumeist 10×10 Fuß Quadrate ausgehoben. Zwischen den Quadraten stehen Stege von 2×2 Fuß, welche zum Ende der Grabung untersucht werden.
Ausgewertet werden die Artefakte durch Seriation, Korrespondenz-Analysen, Stratigraphien, Harries Matrix, Pollenanalyse und archäobotanischen Analysen.

Das Anwesen Monticello

Das Anwesen Monticello liegt nahe der Stadt Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia am Rivanna River nur etwa 70 Meilen nord-westlich von Richmond. Das Anwesen hat eine Fläche von ca. 5 000 ha und beinhaltet zu Jeffersons Zeit sowohl Wohnhäuser und Werkstätten als auch Plantagen.
Mitten durch das Anwesen verläuft in Nord-Süd-Richtung der Rivanna River. Unterteilt wird das gesamte Monticello-Anwesen in vier Quartal Landschaften: Monticello, Lego, Tufton und Shadwell.

Im Quartal Monticello liegt das einstige Herrenhaus Jeffersons, welches häufig sowohl umgebaut als auch erweitert worden ist. Zentral auf dem Monticello-Anwesen und quer ab zum Herrenhaus liegt die Mulberry Row. Eine gerade Straße, an deren Seiten zum Teil die Wohnkomplexe der Sklaven und ebenso die Wirtschaftsgebäude standen. Die Bezeichnung der Gebäude übernahm Thomas Jefferson selbst. Südlich der Mulberry Row entlang der Gebäude erstreckte sich der weite Obstgarten, in dem Jefferson verschiedene Obstbäume pflanzen ließ. Ein 1809 errichteter Zaun zwischen Gebäuden und Obstgarten verlief über die gesamte Länge der Mulberry Row. Ausgehend vom Herrenhaus unterteilte Jefferson selbst seinen ländlichen Besitz in mehrere zentrische Kreise, die roundabouts. Diese roundabouts unterteilte er nach den Straßen- und Wegezügen, die sein Herrenhaus im Zentrum umgaben. Abbildung 6 zeigt einen Überblick über die Sklavenquartiere, die außerhalb des zweiten roundabouts lagen, sowie die beiden Friedhöfe, die bisher auf Monticello untersucht wurden. Im Westen des Anwesens, nahe des zweiten roundabouts, liegt der Friedhof der Jeffersons. Hier ist Jefferson mit seiner Familie bestattet. Weiter im Süden, außerhalb des vierten roundabouts liegt der Park Friedhof, der ausschließlich für die Sklaven angelegt wurde.
Nach dem Tod Jeffersons verkauft dessen Tochter, Martha Jefferson Randolph, das Anwesen. Als Monticello im Jahr 1834 von Uriah P. Levy gekauft wurde, begann er, das Herrenhaus zu restaurieren. Als die Immobilie 1879 an seinen Neffen Jefferson Monroe Levy überging, begann dieser mit viel Geld das Herrenhaus wiederherzustellen. 1923 kaufte die Thomas Jefferson Foundation ihm das Anwesen ab und eröffnete ein Museum im Herrenhaus. Die Einrichtung Thomas Jeffersons blieb zum großen Teil erhalten und ist bis heute Bestandteil des Museums. 1987 wurde das Anwesen Monticello zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Plantagen

Neben einem großen Obstgarten unterhielt Jefferson auch viele Plantagen, auf denen er Tabak anbaute. Dies taten im 18. Jahrhundert viele Sklavenhalter in der Region Chesapeak, da es einen großen Markt, gerade in Übersee, gab. 1798 wurden 30 000 Hektar Land als Tabakplantagen genutzt (BON-HARPER u.a. 2003, 8). Als der europäische Markt einige Jahre später von Tabak überschwemmt war, ging Jefferson dazu über, den Großteil seiner Plantagen mit Weizen zu bestellen und baut nur noch sechs Hektar Tabak an (ebd. 8). Dieses Verhältnis behält er bei, da Weizen Anfang des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich vorteilhafter ist.

Mulberry Row

Der Archäologe William Kelso, der 90% der Ausgrabungen an der Mulberry Row leitete, sagte, dass es wenig Zweifel daran gibt, dass die Mulberry Row eine sehr schäbige Hauptstraße war. Die spartanischen Gebäude längs der Mulberry Row schienen einen erschütternden Anblick auf das gesamte Anwesen Monticello gemacht zu haben. Heute können Besucher die Mulberry Row hoch und runter laufen, doch früher durfte diese Straße und den Rasen kein Besucher betreten. Lediglich ein Besucher beschreibt die Gebäude an der Straße als „arm und unkomfortabel“ (WIENCEK 2012, 43).
Entlang der Mulberry Row standen seit den 1770er Jahren Maulbeerbäume, die Schatten spendeten. Aus diesem Grund nannte Thomas Jefferson die Straße Mulberry Row (DAACS/PLANTATION HOME, 13.07.2013). An der 1000 Fuß langen Straße lagen die Quartiere der Sklaven, verschiedene Werkstätten und angrenzende Nebengebäude zu Jeffersons Haus. Die Häuser waren das Zentrum der Plantagenarbeit. Im Jahr 1796 lagen an der langen Straße 17 Häuser mit verschiedenen Funktionen. Zum einen gab es Wohnhäuser für schwarze und weiße Arbeiter, eine Werkstatt, die Eisen verarbeitete, eine Holzwerkstatt, eine Räucherei und eine Molkerei. Dazu kamen Waschhäuser, Lager für das hergestellte Material und ein Stall.
Die Mulberry Row war also der industrielle Kern des gesamten Anwesens, der sich im Laufe der Lebensjahre Jeffersons kontinuierlich verändert hat.

Zunächst lebte Thomas Jefferson von 1770 bis etwa 1790 mit seiner Frau Martha Wayles Skelton in dem Südpavillon des späteren Herrenhauses. Das freistehende Gebäude hatte zwei Etagen, mehrere Schlafzimmer und eine Küche (DAACS/PLANTATION HOME, 14.07.2013). Zu dieser Zeit konnten auf der Mulberry Row drei weitere Gebäude datiert werden. Zum einen ein Lagerkeller des West Kitchen Yard Komplex, das Blockhaus einiger Sklaven, Gebäude r, s, t und ein weiteres Wohnhaus für Sklaven, Gebäude o.
Zwischen den Jahren 1791 bis 1809 wurde das Haus der Jeffersons am südlichen Terrassenflügel erweitert und parallel im Norden mit einem weiteren Gebäudekomplex, dem Nordterrassenflügel, ausgestattet. Unterhalb des Hauses wurde ein Keller angelegt. Diese Umbaumaßnahmen verdoppeln die Größe des Hauses. Zur gleichen Zeit entstanden auf der Mulberry Row die Gebäude m (Räucherei), r, s, t (Wohnhäuser der Sklaven) und das Gebäude l (Lagerhaus).
Erst kurz vor Jeffersons Tod wurde der weitere Ausbau des Herrenhauses vollendet und die Nord- und Südterrassen fertiggestellt. Um das Jahr 1809 entstand das sogenannte Stone House. Kurze Zeit später entstand gegenüber des Stone House ein Teil des West Kitchen Yard Komplex, das Gebäude welches auch heute noch als Mulberry Row Struktur 1 (MRS1) bezeichnet wird (DAACS/PLANTATION HOME, 14.07.2013).

In naher Zukunft (etwa innerhalb der nächsten zwei Wochen) sollen die weiteren Ausgrabungen der Wohnhäuser thematisiert werden.

Abbildungen:

Alle Abbildung der Grabung gehören der Digital Archaeological Archive of Comparative Slavery und sind der Website entnommen (CC).

Literatur

Website des Spiegel Onlinehttp://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-forscher-finden-frueheste-sklaven-der-neuen-welt-a-398498.html (Stand 30.06.2013)

Website des Monticello Museumshttp://www.monticello.org/ (Stand 23.07.2013)

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