Max und Moritz | Heute mal aus dem Pott

Max und Moritz von Wilhelm Busch

Der erste Streich
(in der Sprache des Ruhrgebiets übertragen von Claus Sprick)

Manche Leute, gaanich doof,
hamen Hühnerstall im Hof,
weil dann könnense im Gaaten
morgens auffe Eier waaten –
auch, weil man son Flattermann
inne Fanne hauen kann,
und die Federn von som Huhn
kannze dann im Kissen tun,
weil wer sich inne Poofe knallt,
hattata nicht gerne kalt.

Kumma, da is Witwe Bolte,
die dat onnich gerne wollte.
Mit drei Hühners unnem Hahn
wolltesen paa Tacken spahn.

Max und Moritz, die Blagen,
wolln dat Federvieh am Kragen,
undse schnibbeln, gaanich dulle,
Stückskes vonne Butterstulle.
Ver so Bröckskes, nich zu dick,
bindense an einem Strick,
dense dann mit flinken Foten
stickum über Kreuz verknoten.
Kuck – da lehngset hinterm Schuppen,
um de Viecher zu betuppen.

Der Gockel hattat gleich geschnallt
und denkt: „Ich glaub, ich steh im Wald!
Jetzt schreiße ersma Kickrikih,
sonz raffen dat die Hennen nie!“
Die kamen dann auch angefitscht
und ham die Krümels aufgetitscht.
Doch plötzlich, ehse sich verkucken,
sindse am wüagen un am schlucken,
se feckeln hin un feckeln her
und denken sich: „Ich werd nich mehr!“
Dann flatternse bis auffem Baum
und hängen da und glaubmet kaum
und schnallen datte Gurgel klemmt
und machen sich vor Schiß im Hemd.
En Ei noch legen könnse nur,
dann sindse alle inne Uhr.

Witwe Bolte in ihm Bau
kricht wat mit von dem Radau,
springt verdattert ausse Poofe
und bekuckt die Katastrophe,
fängt am heulen: „Ach o Graus,
dat hälze ja im Kopp nich aus,
die aamen Viechers, aus der Traum,
jetz hängense kaputt im Baum!“

Se schnieft und holtat Pittermesser
und denkt bei sich: et is wohl besser,
wennmann die Öskes runterschnippelt,
wose schomma abgenippelt!
Dann quetschtse noch ne Träne raus
und schleppt dat Viehzeuch rein im Haus.

Doch nichenuch mit diesen Sachen:
Klopse zwei is auch schon inne Mache!

 

 

 

In: Sprick, Claus. HÖMMA. Sprache im Ruhrgebiet. Straelen 2003. 121-122

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