Ist das wertvoll oder kann das weg?

Am 15. Juni 2017 lief die große Sonderausgabe von Bares für Rares zur Prime-Time.

Doch wie kann es sein, dass eine Sendung über den Verkauf von Trödel so viele Zuschauer fasziniert? Der Otto-Normal-Bürger kommt mit seiner Antiquität in die Sendung und geht im besten Fall mit viel Geld wieder von der Bühne – ohne seine Antiquität.

Der erste Weg führt zum Experten. Hier werden alte Öfen, Colliers mit Diamanten, alte Spielzeugautos, Gemälde und vieles anderes bewertet und finanziell geschätzt. Stimmen die Vorstellung des Verkäufers und die Einschätzungen des Experten halbwegs überein, dürfen die Verkäufer in den Händlerraum. Bei den Händlern wird gepokert, geschachert und knallhart verhandelt. Doch warum gewinnt die Sendung Bares für Rares immer mehr Zuschauer und Fans?

Mit diesem Format hat das ZDF einen riesen Clou gelandet.

Und ganz ohne explodierende Autos, Mördern oder jegliche scripted reality. Doch wie funktioniert das in der heutigen Medienlandschaft. Im Jahr 2017 basieren viele erfolgreiche Sendungen darauf, menschliche Abgründe und gegenseitiges Anschreien zu zeigen. Genau davon nimmt Bares für Rares nichts auf. Hier geht es um antike Sachgegenstände die verkauft werden sollen. Aber das ist nicht alles. Denn bei Bares für Rares geht es auch um Menschen und ihre Geschichten. Im Acht-Minuten-Takt werden echte und ehrliche Geschichten erzählt.

Aber warum wirken sowohl Experten als auch Händler so natürlich? Die Experten dürfen sich im Vorhinein über die antiken Stücke informieren um eine bessere und genauere Einschätzung abzugeben. Die Händler hingegen haben bis zum Betreten des Verkäufers keine Ahnung, welche Objekte ihnen vorgeführt werden. Sie werden von der Security bewacht und sitzen in einem separaten Raum. Auch der Kontakt zu den Verkäufern ist untersagt. Das bewirkt, dass die Reaktionen vor der Kamera nicht nur echt wirken, sondern auch echt sind.

Das scheinen die Zuschauer am Nachmittag mittlerweile lieber zu sehen, als scripted reality oder Gerichtsshows.

Rund 2,5 Millionen Zuschauer schalten ein, wenn Horst Lichter die Geschichten der Verkäufer erfragt. Das sind rund 24 Prozent Marktanteil – für das Nachmittagsprogramm ein sehr großer Anteil.

Aber nicht nur Horst Lichter und sein netter Umgang mit den Verkäufern ist ausschlaggebend für diesen großen Marktanteil. Seit Beginn der Sendung sind sowohl die Experten als auch die Käufer zu kultigen Stars geworden.
Kennt man den typischen Antiquitätenkäufer als Person, die nur handeln und zum denkbar günstigsten Preis einkaufen will, zeigen die Händler bei Bares für Rares im Gegensatz dazu eine durchaus sympathische und liebevolle Seite. So kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Verkäufer betont wohin das erworbene Geld gehen soll. Wird hier ein sozialer Grund angegeben, etwa eine Spende an ein Kinderheim, sind die Händler häufig gewillt, sogar auf ihr eigenes Gebot noch Geld draufzulegen. Das führt dazu, dass die Käufer tatsächlich häufig über die Expertise bieten. Die Expertise wiederum bei Bares für Rares wird gelegentlich auch nach symbolischen und emotionalen Wert geschätzt.

All dies führt dazu, dass die Zuschauer nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Käufer und Experten als sympathisch, empathisch und freundlich wahrnehmen.

Dass sich das Format Bares für Rares an sehr hohen Zuschauerzahlen und große Beliebtheit erfreut, entsteht also aus der Menschlichkeit die innerhalb der Sendung erkennbar ist.
Davon profitieren auch die Flohmärkte die in den Innenstädten jeder etwas größeren Stadt regelmäßig stattfinden. Wenn Händler ihre Tische aufbauen, gibt es immer einen großen Ansturm. Und das sogar schon zu einer frühen Uhrzeit auf einem Sonntag.

Ob es hier eine große Veränderung seit dem Beginn des Quotengaranten Bares für Rares gibt, ist nicht dokumentiert. Jedoch ist zu erkennen, dass es Menschen gibt die Lust auf Trödelmarkt haben um vielleicht doch eines der berühmten Schnäppchen zu machen. Ein Schnäppchen, welches sich nachher vielleicht bei Bares für Rares verkaufen lässt.

In diesen Fällen hat die ZDF Sendung etwas bewirkt: die Menschen interessieren sich wieder für antike Objekte und stehen sogar am Sonntagmorgen sehr früh dafür auf.

Die ZDF Show mit Horst Lichter und seinen nunmehr berühmten Experten und Händlern hat eine TV-Nische entdeckt und erreicht damit sogar fast jeden vierten Zuschauer. Da lohnt sich eine große Sondersendung zur Prime-Time mit vielen Objekten, Promis und viel herzlichen Gesprächen. Wer sich überzeugen lassen will sollte sich die Sendung im ZDF, bei ZDFneo oder in der ZDFMediathek einmal ansehen.

 

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