Immer unterwegs aber nie allein

Es ist Samstagmorgen, 5:30 Uhr.

Ich steige zu Hause auf mein Motorrad und fahre los zur Arbeit. Meine Straße hinunter, die erste Kreuzung, die zweite Ampel, und jetzt nur noch durch das Industriegebiet im Hafen von Duisburg. Auf dem Weg zur Arbeit kann ich das Motorrad fahren nicht richtig genießen. Nicht um diese Uhrzeit. Nicht an einem Samstag. Rechts und links nur Firmen. Kohlelaster an den Straßenseiten. Schrotthandel.

Die Straße geht immer gerade aus. Auf der anderen Fahrbahn steht mitten auf der Straße ein LKW und parkt. Komisch. Mitten auf der Straße. Was will der da?

Mein Blick geht auf den Tacho. 60km/h. Als ich meinen müden Blick einige Sekunden später wieder auf die Straße richte, fährt auf der Höhe des LKW ein zweiter LKW auf die Straße. Auf meiner Straßenseite.

In dem Moment, in dem ich erkenne, dass der LKW auf meiner Straßenseite sich gar nicht bewegt, sondern wieder abgebremst hat, bin ich hell wach. Ich hatte nicht sehen können, dass er gebremst hatte, weil sein Leuchten hinten dreckig sind.

Ich bremse bis zum Anschlag. Mein Hinterreifen steht schon fast quer. Die Bremse loslassen. Und wieder bremsen. Was mache ich denn nur. Soll ich mich fallen lassen und hoffen, dass ich nicht auf die Räder des LKWs rutsche? Nein, ich bremse.

Und dann stehe ich. Mein Vorderreifen steht unter dem LKW. Noch einen Meter weiter und ich würde nicht mehr zur Arbeit weiter fahren. Als der LKW einige Minuten später anfährt, sitze ich immer noch angespannt auf dem Motorrad und habe mich nicht bewegt.

Ich setze meine Fahrt fort und komme trotzdem pünktlich bei der Arbeit an. Nach nur einer Stunden auf der Arbeit, schickt meine Chefin mich nach Hause. Ich setze mich auf mein Motorrad und fahre los. Ich stehe so sehr unter Schock, dass ich nur noch nach Hause möchte.

Samstag Mittag, 14Uhr.

Ich wache auf. Auf der Couch meiner Mutter. Aber wieso bin ich denn hier? Was war passiert. Ich erinnere mich an die schreckliche Situation heute morgen auf der Straße im Hafen. Ich erinnere mich daran, dass ich nach der Arbeit wieder auf das Motorrad gestiegen bin.

Aber dann? Was war dann passiert?

Es ist weg. Ich weiß nicht, was passiert ist. Welchen Weg bin ich gefahren? Ich weiß es nicht.

Warum bin ich zu meiner Mutter gefahren und nicht zu mir in die Wohnung? Ich weiß es nicht.

Wieso bin ich denn nur wieder schlafen gegangen? Auch das weiß ich nicht.

Meine Erinnerungen sind auch bis heute nicht wieder gekommen. Auch wenn der Vorfall vor mehr als 10 Jahren war. Heute, so viele Jahre später denke ich etwas seltenener daran zurück was passiert war. Aber was war denn eigentlich passiert? Häufig habe ich mir die Frage gestellt, wie ich aus dieser Situation unbeschadet wieder raus kam. Einige meiner Freunde sagte, ich hätte einfach unglaublich viel Schwein gehabt. Die meisten Motorradfahrer in meinem Freundeskreis sagten, ich hätte unglaublich schnell reagiert.

Mein Pfarrer sagte mir damals, mein Sozius hätte auf mich Acht gegeben.

Mein Sozius? Damals ließ er das so stehen. Heute weiß ich wen er meinte. Gott.

Heute bin ich davon überzeugt, dass ich nicht nur einfach „Schwein hatte“, sondern dass mein Sozius Gott war. Er hat mir in diesem Moment gezeigt, dass er auf mich aufpasst. Gerade in den Situationen, in denen die Menschen nicht mehr auf sich selber aufpassen können, ist er da.

Auch wenn wir auf der Straße noch so vorsichtig fahren und agieren, es gibt immer mal wieder Situationen in denen können wir nicht mehr machen als hoffen und beten.

Wenn ich heute auf mein Motorrad steige, dann denke ich gelegentlich daran, dass hinter mir noch jemand sitzt. Jemand auf den kann ich vertrauen.

Ich bin letztens bei einem Freund als Sozia mitgefahren. Als Sozia ist mir wieder einmal aufgefallen, dass Motorradfahren auch vertrauen heißt. Wer bei einem anderen mitfährt, gibt die Möglichkeit, in eine Situation einzugreifen, vollkommen ab. Wer sich auf den Soziussitz setzt, sollte seinem Fahrer vertrauen.

So wie wir unserem Fahrer vertrauen, so sollen wir auch auf Gott vertrauen.

Gott ist mit uns auf der Straße. Alle sprechen immer davon, dass Gott jeden immer und überall sieht. Das ist nett dahergesagt, aber wer denkt beim Motorradfahren ernsthaft darüber nach, dass Gott gerade bei einem ist und seine schützende Hand über einen hält.

Ich muss zugeben, auch nach der Situation damals im Hafen in Duisburg, denke ich nicht ständig daran, dass Gott mit mir fährt und seine Schutzengel neben mir herfliegen. Aber manchmal. Manchmal kommt mir beim Fahren in den Sinn, wie schön es ist, zu wissen, dass er da ist. Dass Gott hinter mir sitzt und sich manchmal etwas kräftiger an mir festhalten muss, weil ich zu schnell an der Ampel bei grün gestartet bin.

Auch wenn mal eine Situation nicht so glimpflich ausgeht, wie eben gerade beschrieben, auch wenn man sich mal auf die Nase legt und auch wenn ein Sturz richtig weh tun kann, können wir uns sicher sein, Gott ist da. In jeder Situation. Gott bleibt bei uns, was auch immer passieren mag.

Erwähnen möchte ich auch noch, dass ich heute das viel größere Wunder finde, dass ich nach der Arbeit, wohlbehalten zu Hause angekommen bin. Ich war tatsächlich so geistesabwesend und stand so unter Schock, dass ich nicht mal gewusst habe, wo ich hin fahre.

Die Tatsache, dass ich bei meiner Mutter aufgewacht bin, obwohl ich nach Hause wollte, beunruhigt mich.

Wie genau bin ich gefahren?

Ich weiß es nicht.

Aber gerade auf diesem Weg muss Gott mein Motorrad persönlich gelenkt haben. Wie sonst, soll ich zu Hause angekommen sein?

Viele von uns sind häufig oder sogar täglich mit dem Motorrad unterwegs. Wir machen Ausfahrten, fahre manchmal einfach nur eine Strecke um den Kopf frei zu kriegen oder nutzen das Motorrad als ganz normales Fortbewegungsmittel um zur Arbeit zu kommen oder einkaufen zu gehen. Wir reißen so viele Kilometer.

Man könnte jetzt argumentieren, ich bin damals nur wohlbehalten bei meiner Mutter angekommen, weil ich täglich motorradfahren und eine gewisse Routine hatte. Aus naturwissenschaftlicher Sicht könnte man das so sehen. Der Körper stellt sich irgendwann darauf ein, wie er sich zu verhalten hat wenn er motorradfährt. Auch wenn der Kopf mal abgeschaltet ist.

Mein Glaube an Gott sagt mir allerdings auch, dass ich mir sicher sein kann nie alleine auf dem Motorrad zu sitzen. Wir fahren so viele Kilometer, sind so viel unterwegs aber wir können sicher sein wir sind hier alleine.

Gott ist in jeder Situation da.

Ob er nun eingreift oder nicht, das bleibt Ihm überlassen.

Und ob wir uns jetzt vorstellen er sitzt gerade hinter uns auf unseren Soziussitz, oder ob wir einfach daran glauben dass er da ist und ein Auge auf uns hat, das bleibt uns selbst überlassen wichtig ist zu erkennen wir sind nicht allein Gott hält uns in seiner Hand.

Zu jeder Zeit an jedem Ort in allen Situation.

Als sich damals die Geschichte zutrug, war ich gerade etwa 19 Jahre alt. Damals hab ich die Entscheidung getroffen, in der Situation zu bremsen. Ich wollte meinen gerade neue gekauftes Motorrad nicht dadurch kaputtmachen, dass ich mich auf die Straße werfen.

Mittlerweile fahre ich über 14 Jahre Motorrad und ich bin mir nicht sicher ob ich heute die gleiche Entscheidung treffen würde. Aber eines ist sicher, dass dieses Erlebnis zu Beginn meines Führerscheins dazu geführt hat, dass ich häufig darüber nachdenke wie andere Verkehrsteilnehmer mich wahrnehmen.

Oder mich eben nicht wahrnehmen.

Ich wünsche keinem anderen Motorradfahrer eine Situation die dieser Situation gleicht. Aber wir müssen uns klarmachen das ist auch diese Situation gibt, in denen wir vielleicht nicht mehr voll ernst das Zepter in der Hand haben. Aber wir können uns sicher sein, Gott ist da.

Viele kennen vielleicht das Gedicht, Spuren im Sand von Margaret Fischback Powers.

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nacht Himmel erstrahlten, Streiflichtern gleich,

Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herren.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen war, blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: Herr, als ich anfing dir nach zu folgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich alleine gelassen, als ich dich am meisten brauchte?

Da antwortete er: Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.

Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.

Hier ist es unglaublich schöne Worte gepackt, was ich sagen will.

Gott ist da.

Bei jedem von uns.

während der schönen Ereignisse in unserem Leben, im Alltag in besonderen Momenten aber eben auch dann, wenn wir durch schwere Zeiten gehen. Dann wenn wir ihn am meisten brauchen ist er da.

Schließen möchte ich mit den Worten Jesaja. 41. Kapitel der Vers 10:

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Amen.

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